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Grenzen - sie selbst setzen, verstehen und umsetzen


Grenzen begegnen uns überall im Leben. Aber obwohl es sich beispielsweise bei Landes- und Stadtgrenzen meist um etwas klar Definierbares handelt, wird der Begriff „Grenze", wenn es um persönliche und zwischenmenschliche Dinge geht, schnell sehr schwammig. Oft ist es nämlich gar nicht so einfach, die eigenen zu erkennen und noch schwieriger kann es sein, sie zu kommunizieren oder die Grenzen anderer richtig zu interpretieren.

Grenzen sind persönliche Regeln, Limits und Entscheidungen darüber, was für einen selbst in Ordnung ist und was nicht. Sie können körperlich, emotional oder sozial sein. Sie bestimmen beispielsweise, wie viel Nähe man möchte, wann man für sich selbst Zeit braucht, über welche Themen man sprechen will.

Auch im Arbeits-, Schul- und Uni-Alltag spielen Grenzen eine Rolle: Wie viele Überstunden sind mit meinen eigenen Bedürfnissen vereinbar? Wie möchte ich von meinen Kolleg:innen behandelt werden? Wieviel Hilfe kann ich meinen Mitmenschen anbieten? Und wieviel Hilfe will ich annehmen? Besonders wichtig sind Grenzen in Bezug auf den eigenen Körper. Jede Person darf selbst darüber entscheiden, wie man mit dem eigenen Körper umgeht und welche Handlungen sich richtig anfühlen. Der eigene Körper und die Entscheidungen darüber gehören jeder Person selbst. Körperliche Autonomie geht von alltäglichen Entscheidungen bis hin zu der Frage von wem man wie berührt werden möchte.

Werden Grenzen respektiert können sie zu Sicherheit, Wohlbefinden und Entspannung führen. Werden Grenzen hingegen dauerhaft ignoriert oder überschritten, kann das emotionalen Angst, emotionalen Schmerz, Gefühle von Abhängigkeit, Stress und daraus resultierende stressabhängige körperliche Erkrankungen auslösen.

Grenzen sind daher ein wichtiger Bestandteil von Selbstfürsorge und Selbstrespekt. Sie schaffen Raum dafür, Bedürfnisse wahrzunehmen und auch ernst zu nehmen.

Jeder Mensch hat unterschiedliche Grenzen. Sie hängen von persönlichen Bedürfnissen, Erfahrungen, Werten ab und können von Person zu Person variieren. Sie sind nicht statisch, sie können sich im Laufe des Lebens oder auch im Laufe von Beziehungen verändern. Neue Erfahrungen können beispielsweise zeigen, was gefällt und was nicht. Es ist deshalb völlig normal, nicht immer sofort zu wissen, was man möchte, oder es erst zu wissen, nachdem man etwas ausprobiert hat.

Die Frage, die sich dadurch stellt ist, woher weiß man, wo die eigenen Grenzen liegen?

Bevor Grenzen gesetzt werden können, müssen sie zunächst erkannt werden. Das ist allerdings nicht immer einfach. Manchmal ist bereits in einer Situation spürbar, dass etwas nicht passt. Manchmal wird eine Grenzüberschreitung aber auch erst im Nachhinein bewusst.

Um seine Grenzen selbst besser bewusst zu werden kann man sich folgende Fragen stellen:

  • Was geht mir zu weit?: In welchen Situationen fühlt man sich überrumpelt, bedrängt oder unwohl?
  • Wann verhalte ich mich anders, als ich eigentlich möchte?: Gibt es Situationen in denen etwas getan oder gesagt wird, obwohl sich das nicht richtig anfühlt?
  • Wann muss ich meine eigenen Bedürfnisse zurückstellen?: Bei welchen Menschen oder Situationen werden die eigenen Wünsche regelmäßig hintenangestellt?

Auch der eigene Körper kann Hinweise geben. Anspannung oder Unwohlsein können bereits auftreten, bevor bewusst klar ist, warum eine Situation unangenehm ist.

Aber warum fällt Grenzen setzen manchmal so schwer? Grenzen zu setzen kann Angst machen. Vielleicht aus Sorge vor Zurückweisung oder Kritik, aus Angst, jemanden zu enttäuschen, oder weil die eigenen Grenzen mit den Wünschen einer anderen Person kollidieren.

Ein Begriff, der in diesem Zusammenhang häufig verwendet wird, ist „People Pleasing". Damit ist das starke Bedürfnis gemeint, andere zufriedenzustellen und Konflikte zu vermeiden. Die eigenen Bedürfnisse werden dabei häufig hinter die Bedürfnisse anderer gestellt. Langfristig kann das dazu führen, dass die eigenen Grenzen immer wieder überschritten oder die eigenen Wünsche zurückgestellt werden. Die Angst vor Ablehnung kann dabei ein Grund sein, warum es einfacher erscheint, den Wünschen anderer nachzugeben, als eine eigene Grenze zu setzen. Eine Grenze wird nicht dadurch falsch, dass jemand anderes enttäuscht darüber ist.

Grenzen zu setzen bedeutet gleichzeitig nicht, dass immer alles nach den eigenen Vorstellungen laufen kann. Auch andere Menschen haben Bedürfnisse und Grenzen. In Freundschaften, Beziehungen, der Schule oder im Arbeitsleben geht es deshalb auch darum, gegenseitig Rücksicht zu nehmen.

Dabei muss jedoch zwischen Kompromissen und persönlichen Grenzen unterschieden werden. Nicht jede Situation lässt sich einfach durch einen Kompromiss lösen, besonders dann nicht, wenn es um den eigenen Körper oder sexuelle Handlungen geht. Hier sollte nur das zugelassen werden, was tatsächlich gewollt ist.

Grenzen zu setzen beginnt damit, die eigenen Bedürfnisse überhaupt wahrzunehmen. Und wenn klar wird, was man will und was nicht, kann der nächste Schritt folgen: diese Grenzen auch nach außen zu kommunizieren.

– Marie-Louise Fuchs, 30. September 2026